IHK-Prüfungen und Abschlüsse

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) tragen maßgeblich zur beruflichen Fort- und Weiterbildung bei. Ausgehend von anerkannten Ausbildungsberufen und individuellen Skills bieten die IHKs sowohl Kurse als auch Prüfungen an. Sie legen Prüfungsordnungen fest und verleihen bei Prüfungsbestehen entsprechende Abschlüsse. Diese sind auf nichthandwerkliche Gewerbeberufe, Fortbildungen und Umschulungen bezogen.

Drei Personen freuen sich über abgeschlossene Prüfung

Berufliche Fort- und Weiterbildung ist ein notwendiges Angebot in einer sich schnell und dynamisch verändernden Welt. Kompetenzen oder Berufe, welche vor wenigen Jahren noch gefragt waren, müssen es aktuell oder künftig nicht mehr sein.

Das heißt, der Mensch ist gefordert, sich neuen Umständen anzupassen. Das kann bedeuten, dass beispielsweise jemand über viele Jahre in einem Unternehmen tätig war und dieses dann verlassen muss oder will. Er kann aber auch in diesem Unternehmen bleiben und dort neue Positionen bekleiden, etwa durch einen Nachweis über pädagogische Qualifikationen. Dann könnte er für die Ausbildung verantwortlich sein.

Die IHK ist dabei jene Instanz, die federführend ist, wenn es um die Systematisierung der Weiterbildungen geht.

IHK-Prüfungen in der Aus- und Weiterbildung

Die Höhere Berufsbildung im IHK-Bereich, auch als Aufstiegsfortbildung bekannt, vermittelt Qualifikationen in drei Stufen. Die zweite Stufe entspricht dem akademischen Niveau eines Bachelors, während die oberste Stufe mit einem Master-Abschluss vergleichbar ist.

Die IHKs haben den offiziellen Auftrag, Prüfungen durchzuführen, die die erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen nachweisen. Jährlich absolvieren mehr als 60.000 Teilnehmer diese Fortbildungen. Die Durchführung der IHK-Prüfungen in der Höheren Berufsbildung wäre ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Prüfer undenkbar.

Referenzpunkt für die Prüfungen ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG)

Am Ende der Berufsausbildung kommt es zum entscheidenden Moment: Die Prüflinge müssen ihre erworbenen beruflichen Kompetenzen und Fähigkeiten in schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungen vor der (IHK) unter Beweis stellen. Jährlich werden in ganz Deutschland etwa 290.000 Abschlussprüfungen vor rund 28.000 IHK-Prüfungsausschüssen durchgeführt. Die IHKs sind zudem für die Organisation der Zwischenprüfungen zuständig, die den Fortschritt während der Ausbildung messen. Diese Organisation basiert auf dem Berufsbildungsgesetz, wobei die Bewertung durch ehrenamtliche Mitglieder der Prüfungsausschüsse erfolgt.

Um den hohen Qualitätsstandards zu entsprechen, müssen die Prüfungen objektiv, verständlich und eindeutig sein. Sie sollten einseitige Schwerpunktbildungen vermeiden, die berufliche Handlungskompetenz überprüfen, zuverlässige Ergebnisse liefern und wirtschaftlich durchführbar sein. Die Prüfungsordnungen der IHKs basieren auf der Musterprüfungsordnung des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Einheitliche Termine für schriftliche Abschlussprüfungen sind in Deutschland, mit Ausnahme von Baden-Württemberg, durch zentral erstellte Prüfungsaufgaben festgelegt. Die verbindlichen Prüfungstermine erfahren Interessenten bei ihrer IHK vor Ort. Weitere Informationen gibt es bei den jeweiligen Prüfungsstellen, wie etwa der Aufgabenstelle für kaufmännische Prüfungen oder der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle der IHK Region Stuttgart.

Die IHK bietet über 50 verschiedene Fortbildungsprüfungen für Fach- und Führungskräfte an. Diese Prüfungen basieren auf dem Berufsbildungsgesetz, den Prüfungsordnungen für Fortbildungs- und AEVO-Prüfungen und spezifischen Rechtsverordnungen des Bundes oder der IHK. Ziel dieser Prüfungen ist es, den beruflichen Aufstieg der Teilnehmer zu fördern und Unternehmen qualifizierte Fach- und Führungskräfte bereitzustellen.

Die Prüfungen sollen umfassende berufliche Handlungskompetenz nachweisen und richten sich vor allem an Mitarbeiter, die sich nach einer Erstausbildung und Berufserfahrung weiterqualifizieren möchten. Die Fortbildungsprüfungen bauen auf den anerkannten Ausbildungsberufen des dualen Systems auf und kombinieren praktisches Erfahrungswissen mit zusätzlichen Qualifikationen. Dadurch wird den Facharbeitern und Angestellten der Weg zu höheren beruflichen Positionen eröffnet, was als „Karriere mit Lehre“ bezeichnet wird.

Abschlüsse der IHK

Personen, die keine traditionelle Ausbildung im Betrieb durchlaufen können, haben verschiedene Alternativen, um nachträglich einen Berufsabschluss zu erwerben:

Externenprüfung

Berufserfahrene können als sogenannte „Externe“ zur IHK-Abschlussprüfung zugelassen werden. Dabei zählen auch andere Abschlüsse oder Auslandserfahrungen. Die erforderliche Berufspraxis sollte mindestens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungszeit betragen. Für die meisten Berufe bedeutet dies etwa viereinhalb Jahre, in Einzelfällen kann auch eine kürzere Zeit ausreichen. Weitere Informationen sind bei der IHK erhältlich.

Umschulung

Ein Berufsabschluss kann ebenfalls durch eine Umschulung erreicht werden. Diese ist in der Regel kürzer als die Erstausbildung und führt bis zur IHK-Abschlussprüfung. Detaillierte Informationen gibt es bei der IHK.

Teilqualifikationen

Diese ermöglichen es, berufliche Kenntnisse und Fertigkeiten schrittweise zu erwerben, um am Ende einen vollständigen Berufsabschluss nachzuholen. Teilqualifikationen sind aus anerkannten Ausbildungsberufen abgeleitet und richten sich vor allem an Erwachsene über 25 Jahre, die keinen oder einen veralteten Berufsabschluss besitzen und nicht aktuell beschäftigt sind. Diese Qualifizierung kann berufsbegleitend oder in Vollzeit mit praktischen Phasen im Betrieb erfolgen.

Die IHKs bieten eine Vielzahl von Abschlüssen, die in verschiedenen Bereichen und auf unterschiedlichen Qualifikationsstufen erworben werden können. Hier sind einige der wichtigsten Abschlüsse:

1. Erstausbildung

Berufsabschluss: Dies ist der Abschluss, den Auszubildende nach einer dualen Ausbildung erhalten. Er umfasst eine Kombination aus betrieblicher Praxis und schulischer Ausbildung.

Beispiele: Kaufmann im Einzelhandel, Industriemechaniker, Fachinformatiker.

2. Fortbildungsabschlüsse

Diese werden oft auch als „höhere Berufsbildung“ bezeichnet und beinhalten mehrere Stufen:

Fachwirt: Dieser Abschluss entspricht dem Niveau eines Bachelors und ist in vielen spezialisierten Bereichen erhältlich.

Beispiele: Handelsfachwirt, Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt.

Fachkaufmann: Dieser Abschluss fokussiert sich auf spezifische kaufmännische Tätigkeiten und Fachrichtungen.

Beispiele: Personalfachkaufmann, Marketingfachkaufmann.

Meister: Dieser Abschluss entspricht ebenfalls dem Niveau eines Bachelors und qualifiziert für Führungsaufgaben und die Ausbildung von Lehrlingen.

Beispiele: Industriemeister, Logistikmeister, Meister für Kraftverkehr.

Betriebswirt: Dies ist ein Fortbildungsabschluss auf Master-Niveau, der eine umfassende betriebswirtschaftliche Qualifikation vermittelt.

Beispiel: Geprüfte Betriebswirt (IHK).

3. Spezialisierte Fortbildungsabschlüsse

Technischer Betriebswirt: Dieser Abschluss kombiniert technische und betriebswirtschaftliche Qualifikationen und entspricht dem Niveau eines Masters.

Wirtschaftsfachwirt: Allgemeinere betriebswirtschaftliche Qualifikation, die breit einsetzbar ist.

Berufs-, Aus- und Weiterbildungspädagogen: Für pädagogische Führungskräfte, die Bildungsprozesse, Qualität und Teams verantworten wollen.

4. Prüfungen nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO)

Ausbildereignungsprüfung: Diese Prüfung ist erforderlich, um als Ausbilder in einem Unternehmen tätig zu sein und umfasst pädagogische, rechtliche und organisatorische Kenntnisse.

5. Spezielle Qualifikationen und Zertifikate

Teilqualifikationen: Diese sind für Personen gedacht, die schrittweise berufliche Qualifikationen erwerben möchten. Sie können später zu einem vollständigen Berufsabschluss führen.

IHK-Zertifikate: Diese können in spezifischen Fachgebieten erworben werden und bestätigen den Erwerb besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten.

Die IHK-Abschlüsse sind anerkannt und bieten vielfältige Karrieremöglichkeiten in unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern. Sie ermöglichen es Fachkräften, sich weiterzubilden und in ihrer beruflichen Laufbahn aufzusteigen.

Fazit: IHK-Abschlüsse als stabile Grundlage beruflicher Entwicklung

IHK-Prüfungen und Abschlüsse bieten verlässliche, bundesweit anerkannte Orientierung in einer sich wandelnden Arbeitswelt. Sie ermöglichen beruflichen Aufstieg, Neuorientierung und Spezialisierung – unabhängig davon, ob der Weg über Ausbildung, Fortbildung, Umschulung oder externe Prüfung führt. Besonders die höhere Berufsbildung zeigt, dass berufliche Qualifikation und akademisches Niveau kein Widerspruch sind.

Wer seine Kompetenzen gezielt ausbauen möchte, findet im IHK-System strukturierte und praxisnahe Möglichkeiten für nachhaltige Karriereentwicklung.

Gut vorbereitet zur IHK-Prüfung

Wer einen IHK-Abschluss anstrebt, profitiert von klarer Struktur und gezielter Vorbereitung. Amatum begleitet Lernende mit passenden Weiterbildungsangeboten auf dem Weg zur erfolgreichen Prüfung.